Ansprache
von Papst Johannes XXIII.
zur
AnkŸndigung einer Dišzesansynode fŸr Rom und des škumenischen Konzils am
25.1.1959
[Quelle:
Herderkorrespondenz 13 (1958/59), 387-388]
ãEhrwŸrdige
und geliebte Sšhne!
Die
heute gefeierte Erinnerung an die Bekehrung des heiligen Paulus lŠsst uns hier
um das Grab des Apostels, nahe bei seiner berŸhmten Basilika, zusammenkommen.
Sie hat Uns dazu angeregt, im Vertrauen auf euer Wohlwollen und euer
VerstŠndnis die Gedanken Ÿber einige wichtige Punkte apostolischer TŠtigkeit
darzulegen, die Uns die drei ersten Monate Unserer Anwesenheit und des
Kontaktes mit den ršmischen kirchlichen Kreisen aufgedrŠngt haben.
Vor
Uns steht nur das Ziel des Wohls der Seelen und eines sehr klaren und
bestimmten VerhŠltnisses des neuen Pontifikates zu den geistlichen
Erfordernissen der heutigen Zeit.
Wir
wissen, dass sowohl viele freundlich und eifrig gestimmte wie auch Ÿbelwollende
und schwankende Kreise mit Spannung auf den neuen Papst und auf das schauen,
was man als Besonderes von ihm zu erwarten das Recht hat.
Es
ist selbstverstŠndlich, dass in das Gewebe der tŠglichen Arbeit, die die
wichtigsten und die gewšhnlichen Obliegenheiten des Hirtenamtes umfasst, einige
deutlich sich abhebende Muster eingearbeitet werden, gleichsam um die besondere,
wenn auch nicht die hauptsŠchlichste und einzige Note hervorzuheben, diejenige
jedoch, die am stŠrksten die Physiognomie eines Pontifikates prŠgt, das nun in
der Geschichte seinen mehr oder weniger glŸcklichen Platz einnimmt.
EhrwŸrdige
BrŸder und geliebte Sšhne! Beim †berdenken der doppelten Aufgabe, die einem
Nachfolger des heiligen Petrus anvertraut ist, zeigt sich sofort die doppelte
Verantwortlichkeit als Bischof von Rom und als Hirte der universalen Kirche,
zwei Ausdrucksformen eines Ÿbermenschlichen Auftrags, zwei Verpflichtungen, die
nicht getrennt werden dŸrfen, sondern zur Ermutigung und Erbauung des Klerus
und des ganzen christlichen Volkes miteinander in Einklang zu bringen sind.
Das
heutige Rom
Da
ist vor allem Rom. Es ist im Laufe von vierzig Jahren zu einer všllig anderen
Stadt geworden, als Wir sie in Unserer Jugend kennengelernt haben. Da und dort
lassen sich noch die Šlteren architektonischen Grundlinien feststellen, die
aufzuspŸren einige MŸhe kostet, zumal in den Randgebieten, die sich zu einem
Meer von HŠusern, HŠusern und nochmals HŠusern entwickelt haben, zu einer
AnhŠufung von Familien aus allen Teilen der italienischen Halbinsel, der
umliegenden Inseln und, man kann es sagen, aus der ganzen Welt. Ein wahrer
Bienenstock voller Menschen, aus dem ein ununterbrochenes Gesumm verworrener,
aber nach Harmonie suchender Stimmen ertšnt, die leicht einmal zusammenfinden
und genauso wieder auseinanderfallen. Dieser Wirrwarr macht die BemŸhung um
eine Zusammenfassung der Geister und der aufbauenden KrŠfte fŸr eine Ordnung,
die den Erfordernissen des religišsen, staatsbŸrgerlichen und sozialen Lebens
der Stadt Rom entspricht, mŸhevoll und verlangsamt sie.
Der
Herr Generalvikar hat Uns mit gro§er Sorgfalt Ÿber die geistliche Situation
hinsichtlich der religišsen Praxis in Rom, Ÿber die AufbautŠtigkeit der
verschiedenen Pfarrinstitutionen, den Gottesdienst, den Gottesdienstbesuch und
den Religionsunterricht berichtet. Es ist Uns eine Freude, bei dieser
Gelegenheit die sehr reale, nachahmenswerte Arbeit ehrend zu erwŠhnen, die er
und seine Mitarbeiter genauso eifrig und unermŸdlich in der Wachsamkeit und im
Apostolat wie der Welt- und Ordensklerus und die Mitarbeiter der katholischen
VerbŠnde, jeder vom rechten und klaren Willen beseelt und im ausdauernden und
aufrichtigen Einsatz, von der Innenstadt bis zur Peripherie geleistet haben.
In
diesem Zusammenhang kann man feststellen, dass die Begebenheit aus dem
Evangelium sich wiederholt: Die Massen werden vom Herrn gerufen, ihm zu folgen
und sich ihm zu nŠhern, ohne die nŠhrende Speise der Gnade finden zu kšnnen,
und das rŸhrt das sorgenbeladene Herz des Hirten an. Wenige Brote, wenige
Fische, was ist das fŸr so viele? Mit diesem Hinweis ist alles Ÿber eine
notwendige Vermehrung der Energie und eine Koordinierung der individuellen und
gemeinschaftlichen Anstrengungen gesagt: Ma§nahmen, die dazu geeignet sind, mit
Hilfe des Herrn im Rahmen eines fruchtbareren und eifrigen Pfarr- und
Dišzesanlebens das geistliche Leben zu intensivieren und im Sinne des Wortes
ãZu uns komme Dein ReichÓ in reicherem und fruchtbarerem Ma§e wohltŠtige und
heilige Werke hervorzubringen.
Die
Lage in der Welt
Wenn
der Bischof von Rom seinen Blick weiter hinaus auf die ganze Welt wirft, fŸr
deren geistliche Leitung er durch die ihm anvertraute gšttliche Sendung der
Nachfolge im hšchsten Apostelamt verantwortlich ist, welches Schauspiel bietet
sich ihm dar! Es ist Ÿberall dort erfreulich, wo die Gnade Christi weiterhin
die Werke und Wunder der geistlichen Erbauung, der Rettung und der Heiligkeit
in der ganzen Welt vermehrt. Es ist betrŸblich, vor allem durch den Missbrauch
und das Versagen der Freiheit des Menschen, der ganz in der Suche nach
sogenannten GŸtern dieser Erde aufgeht. Er verschlie§t sich dem Himmel, der
offen steht, und dem Glauben an Christus, den Sohn Gottes, den Erlšser der Welt
und GrŸnder der Kirche. Die Jagd nach den GŸtern dieser Welt geht auf den
Einfluss dessen zurŸck, den das Evangelium den FŸrsten der Finsternis und den
FŸrsten dieser Welt nennt, wie ihn auch Jesus selbst in seiner letzten Rede
nach dem Abendmahl bezeichnet. Er verursacht den Widerspruch und den Kampf
gegen die Wahrheit und das Gute sowie die frevlerische Einstellung, die die
Trennung zwischen dem vertieft, was das Genie des heiligen Augustinus die
beiden Reiche nennt. Er macht die BemŸhungen um Verwirrung wirksam, um
womšglich auch die ErwŠhlten zu tŠuschen und in den Abgrund zu ziehen.
Zu
allem UnglŸck fŸr die Schar der Sšhne Gottes und der heiligen Kirche kommt noch
die Versuchung und Lockung der materiellen Annehmlichkeiten hinzu, die der an
sich indifferente Fortschritt der modernen Technik vergrš§ert und anpreist.
Alles
dies - sagen Wir: dieser Fortschritt - lenkt vom Streben nach den hšheren
GŸtern ab, schwŠcht die Energien des Geistes, fŸhrt zum Erschlaffen der Zucht
und der guten alten Ordnung, zum schweren Nachteil fŸr das, was die
Widerstandskraft der Kirche und ihrer Sšhne gegenŸber den IrrtŸmern bildete,
die in Wirklichkeit immer im Laufe der Geschichte des Christentums zu verhŠngnisvollen
und unseligen Spaltungen, zu geistigem und sittlichem Verfall und zum Untergang
von Nationen fŸhrten.
Im
Herzen des demŸtigen Priesters, den die offensichtliche FŸgung der gšttlichen
Vorsehung, obgleich ganz unwŸrdig, zur Hšhe des Papsttums gefŸhrt hat, weckt
diese Feststellung einen festen Entschluss zur Wiederaufnahme einiger
althergebrachter Formen der LehrverkŸndigung und weiser Anordnungen der
kirchlichen Disziplin, die in der Geschichte der Kirche, in Epochen der
Erneuerung, FrŸchte von au§erordentlicher Wirksamkeit reiten lie§en in Bezug
auf die Klarheit der Gedanken, die Geschlossenheit der religišsen Einheit, die
sehr lebendige Flamme des christlichen Eifers, den Wir fortdauernd noch spŸren,
sowie auch in Bezug auf die Wohlfahrt des Lebens auf Erden, einen
Ÿberflie§enden Reichtum ãvom Tau des Himmels und der Erde besten FrŸchtenÓ
(Gen. 27. 28).
Die
AnkŸndigung
EhrwŸrdige
BrŸder und geliebte Sšhne! Gewiss ein wenig zitternd vor Bewegung, aber
zugleich mit demŸtiger Entschlossenheit im festen Vorsatz sprechen Wir vor euch
den Namen und das Vorhaben einer doppelten feierlichen Veranstaltung aus: einer
Dišzesansynode der Stadt Rom und eines …kumenischen Konzils fŸr die
Gesamtkirche.
FŸr
euch, ehrwŸrdige BrŸder und geliebte Sšhne, bedarf es keiner ausfŸhrlichen
Darlegungen Ÿber die geschichtliche und rechtliche Bedeutung dieser beiden
VorschlŠge. Sie werden glŸcklich zur erwŸnschten und erwarteten Anpassung des
kirchlichen Gesetzbuches fŸhren, die die beiden Proben praktischer Anwendung
der Vorschriften kirchlicher Disziplin, die der Geist des Herrn Uns auf dem Weg
eingeben wird, begleiten und kršnen soll. Die bevorstehende Veršffentlichung
des Gesetzbuches Ÿber das Redet der Ostkirche gibt uns die VorankŸndigung fŸr
diese Ereignisse.
FŸr
den heutigen Tag genŸge diese dem gesamten hier versammelten Heiligen Kollegium
gemachte Mitteilung. Wir behalten Uns vor, sie den anderen KardinŠlen zu
Ÿbermitteln, die zu den ihnen anvertrauten und auf der ganzen Welt verstreuten
Bischofssitzen zurŸckgekehrt sind.
Vonseiten
eines jeden der Anwesenden und der Fernen wird Uns ein persšnliches und
vertrauendes Wort willkommen sein, das Uns Ÿber die Einstellung der einzelnen
vergewissern und Uns liebenswŸrdig all die Anregungen fŸr die Verwirklichung
dieses dreifachen Planes bieten soll.
Im
Vertrauen auf die Gnade
Die
Erfahrung, die Wir schon frŸher hinlŠnglich gemacht haben und die diese drei
Monate seit Unserer EinfŸhrung in den Dienst der ãDiener GottesÓ bestŠtigt und
erweitert haben, ermutigt Uns, auf die Gnade des Himmels zu vertrauen; vor
allem auf die FŸrsprache der Unbefleckten Mutter Jesu und unserer Mutter, auf
den Schutz der heiligen Petrus und Paulus, der ApostelfŸrsten, sowie der beiden
heiligen Johannes, des TŠufers und des Evangelisten, Unserer besonderen Patrone,
und aller Heiligen des himmlischen Hofes. Sie alle bitten Wir um einen. guten
Anfang, Fortgang und glŸcklichen Erfolg dieser VorsŠtze fŸr strenge Arbeit zur
Erleuchtung, Erbauung und Freude des ganzen christlichen Volkes sowie zu
erneuter Einladung an die GlŠubigen der getrennten Gemeinschaften, dass auch
sie Uns freundlich folgen mšgen in diesem Suchen der Einheit und Gnade, wonach
so viele Seelen von allen Enden der Erde sehnlich verlangen.
EhrwŸrdige
BrŸder und geliebte Sšhne! Wie traut und ermutigend scheinen Uns die Worte des
heiligen Leo des Gro§en, welche die heilige Liturgie uns jetzt hŠufiger zu
beten einlŠdt! Gerade heute klingt dieser Gru§ an den heiligen Paulus, den
Bekehrten von Damaskus, der uns hier an seinen heiligsten GedŠchtnisstŠtten
vereint hat, viel lebendiger: ãMeine Krone ... und meine Freude seid ihr, wenn
euer Glaube, der vom Anfang des Evangeliums an auf der ganzen Welt verkŸndet
wurde, in Liebe und Heiligkeit durchgehalten hatÓ (Leo d. Gr. Sermo 2).
Das
ist ein Gru§, der unserer geistigen Familie wŸrdig ist: ãLiebe und HeiligkeitÓ,
ein Gru§ und ein Wunsch! Der Segen des allmŠchtigen Gottes, des Vaters und des
Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen"