Josef Mikl
Braucht der
KŸnstler die Kirche?
Braucht der
Maler, braucht der Bildhauer, braucht der Architekt die Kirche?
Er braucht
sie nicht, er benštigt sie nicht, er bedarf ihrer nicht, um zu Ÿberleben.
Er braucht
sie nicht als Brotgeber und nicht als Auftraggeber.
Der
durchschnittliche, der gewšhnliche Maler oder Plastiker mi§braucht allerdings
die Kirche wie er die Politik mi§braucht, er achtet das Ansehen einer
Kathedrale ebensowenig wie er den Unterschied zwischen VergnŸgungslokal,
Parlament und Kirche beachtet. Von dieser Mi§achtung lebt er.
Heutzutage
haben die Artisten nicht mehr mit ihren Auftraggebern zu kŠmpfen. Dieser Kampf
war frŸher oft heikel, schwierig, unangenehm, aber trotzdem fruchtbar,
ergiebig, wie die Ergebnisse zeigen.
Heutzutage
ist es lŠcherlich von jemandem zu sagen, er mu§ kŠmpfen, er mu§ sich
durchsetzen.
Wer so
redet, liefert Scheingefecht an der Kunstgewerbefront, dahinter nimmt er ein.
Wenn unsere Banken oder Gewerkschaften neue Bilder, Plastiken erwerben,
verwenden sie dazu oft ungebildete, eingebildete EinkŠufer, die der Mode
unterworfen sind
Wenn man
solche durch Arroganz entstandene Sammlungen, wahre Schreckensgespenste
durchsucht, wird man in ihnen nicht die Kunst der letzten hundert Jahre finden.
Der Grund: Welcher Direktor, welcher Generaldirektor, welcher Unternehmer
bekennt seine Unkenntnis?
Keiner
dieser Wirtschaftstreiber wird sagen, ich verstehe nichts von der
Kunstwissenschaft.
Daher
ernennt er die falschen EinkŠufer, er lЧt falsch einkaufen.
Kunstentscheidungen sind schwierig, zuerst mu§ man sie finden, sie sind schwer
zu finden, sie sind schwer zu treffen, ob sie sich treffen lassen, ist
GlŸckssache.
Soll man
diesen Wirtschafttreibern, die oft mehr vernichten, als sie je wieder aufbauen
kšnnten, soll man diesen Leuten GlŸck wŸnschen? Wenn es um Kirchenkunst geht,
treten viele Pfarrer in die Fu§stapfen der angefŸhrten Direktoren.
Die
schlechten Kirchen nach 1945 zeigen diesen verhŠngnisvollen Weg an, sie sind
der Beweis.
Ihre
BanalitŠten, ihre Kunstgewerbearbeiten zeigen: Schlechte Entscheidungen lassen
sich trefffen, gute Entscheidungen lassen sich kaum treffen.
Ob sie sich
treffen lassen, ist GlŸckssache.
Soll man
der Kirche GlŸck wŸnschen?
Unsere
Pfarrer erhalten eine mangelhafte Kunstausbildung, ihr Kunstverstand reicht
nicht weit.
Er reicht
oft nur zum Verschachern und Vernichten des Alten, zum Erwerb des zweifelhaften
Neuen reicht er immer.
In den
Priesterseminaren wŠre, so hšrt man, wenig Platz fŸr den Kunstunterricht.
So sieht es
aus.
Noch nie
war der Zustand unserer Kirchen, ihre kŸnstlerische zeitgemЧe Einrichtung
schlechter.
Die
Einrichtung unserer Kirchen besagt viel, sie bedeutet fŸr die Kirchengeschichte
alles, denn spŠter werden die Urenkel urteilen.
Die
Kunstgeschichte wird ebenfalls ihr Urteil abgeben, frei von den vergangenen
Modefragen, frei von der heutigen Verwirrung.
Die
Ausbildung unserer Pfarrer nimmt darauf wenig RŸcksicht.
Man merkt:
Die Kirche braucht die Kunst nicht.
Sie braucht
sie selten, so sieht es aus.
Braucht der
KŸnstler die Kirche, braucht er den geistigen Grund, auf dem sie gebaut ist?
Er scheint
sie nicht zu brauchen.
So wie der
durchschnittliche Geistliche seinen Glaubensrock, seinen Ordensrock auszieht,
damit die Verwechslung mit dem Sportlehrer, mit dem Sportreporter gelingen kann,
so hat der heutige KirchenkŸnstler das Verbindliche, das GelŠufige, eben das
ZeitgemЧe gewŠhlt.
Eine
Verwechslung mit dem Glauben, wie sie als Beispiel in den Bildern George
Rouaults vorkommt, kšnnte nicht passieren.
Braucht der
KŸnstler den Glauben?
Es gibt
keine Kunst ohne Glauben, das ist bewiesen.
© Brigitte
Bruckner-Mikl
Mikl: Arbeiten fŸr die Kirche
1955-56
2 Glasfenster Me§kleid Kelch
Monstranz Pfarre Parsch Salzburg
1956
Plakat Steindruck Bogenformat
ãKirchenweihe ParschÒ Salzburg
1957
Plakat Steindruck Halbbogenformat
ãKirchen unserer ZeitÒ
Salzburg
1959
Plakat Foliendruck Bogenformat
ãKirche Gestern Heute MorgenÒ Katholikentag Linz
1959-60
16 Glasfenster Friedenskirche Hiroshima Japan
1962
Graphikmappe (1 Steindruck
und 5 Radierungen) zu ãDie stille VerzweiflungÒ von
Sšren Kierkegaard Auflage 30 StŸck
1963-64
2 Glasfenster Pfarre Lehen Salzburg
1964
1 Me§kleid (nicht
auffindbar) Kapelle St AndrŠ KŠrnten
14 Glasfenster Filialkirche Aderklaa Niederšsterreich
1965
2 Glasfenster Filialkirche Willersdorf Burgenland
1966-70
4 Glasfenster Pfarre St Margarethen Burgenland
1967
1 Applikation
(vernichtet) 1 Me§kleid Pfarre Všls Innsbruck
1971-72
Renovierung Einrichtung
Me§gerŠte Kirche Schlo§
Adelebsen bei Gšttingen
1975-76
1 Glasfenster St Joseph Kapelle Kreuzberg Niederšsterreich
Gro§es Rundbild …l/Leinwand (300m²) 4
Me§gewŠnder Bildungshaus-Kapelle St Virgil Salzburg
Mappe zu St Virgil 5 Radierungen (Aufl 60)
1978
PortrŠt Erzbischof Dr Karl
Berg (…l/Leinwand) Salzburg
1981-82
5 Glasfenster Pfarre Asten Oberšsterreich
1995
1 Glasfenster Heiliger Josef Praterstra§e Wien
© Brigitte
Bruckner-Mikl